| Judo ist eine waffenlose Zweikampfart,
deren Wurzeln weit zurück reichen. Ungefähr 70 vor Christus fanden
am japanischen Hof Kämpfe in Bu-Gi = Kriegskunst und Kyo-Gi = Wettbewerb
statt. Die Entwicklung der Kampfkünste wurde stark von den kriegerischen
Auseinandersetzungen beeinflusst. In der Edo-Zeit 1603 bis 1668 wurden
am Hofe Waffen verboten. In der Folgezeit entstanden weit mehr als 100
Schulen, an denen waffenlose Zweikampfarten-wie auch Jiu-Jitsu gelehrt
wurden.
1868 wurde in Japan die Feudalherrschaft
abgeschafft, somit auch die Macht der Adligen und deren Söldner die
Samurai. Es folgte eine kulturelle Wandlung in Japan. In deren Folge öffnete
sich Japan der westlichen Welt und verachtete das Einheimische. Bei diesem
Prozess gingen viele Zweikampfarten verloren.
Der Deutsche Erwin Bälz kam 1876 als
Lehrer an die Uni in Tokio und wurde später Leibarzt des Tenno, des
japanischen Kaisers. Dieser forderte mehr sportliche Aktivitäten der
Studenten. Erwin Bälz entdeckte die fast verschwundenen Zweikampfarten
wieder und forderte seine Studenten auf sich mit diesen zu beschäftigen.
Einer seiner Studenten war der am 28.10.1860 geborene Jigoro Kano.
Dieser studierte an drei verschiedenen Jiu-Jitsu-Schulen. Er systematisierte
die effektivsten Techniken aus den drei Jiu-Jitsu-Schulen und eliminierte
die gefährlichen Techniken. Das von ihm entwickelte System nannte
er 1882 Kodokan-Judo. Das von ihm entwickelte Judo wurde an den
Universitäten als Ausgleich zu der psychischen Anstrengung gelehrt.
1895 wurde von Jigoro Kano die Go-Kyu (die fünf Stufen a 8 Würfe)
geschaffen, 1920 wurde die Go-Kyu reformiert. Bereits 16 Jahre nach seiner
Entstehung wurde es in den Schulen Pflichtfach. 1909 wurde Jigoro Kano
als erster Asiat ins IOC gewählt. Es gelang ihm auch die olympischen
Spiele für das Jahr 1940 nach Japan zu holen, doch durch den 2. Weltkrieg
wurden sie nicht ausgetragen. Am 04.05.1938, auf einer Rückfahrt von
einer IOC-Sitzung in Kairo, stirbt Jigoro Kano an einer Lungenentzündung.
Doch wie kam Judo nach Deutschland? Erste
Berührung hatten wir 1906 als zwei japanische Kreuzer in Kiel einliefen
und man Judo das erste mal an Bord begutachten konnte. Daraufhin gründete
Erich Rahn in Berlin die erste Jiu-Jitsu-Schule, an der Polizei und Militär
ausgebildet wurden. 1920 wurde von Alfred Rhode der erste deutsche Jiu-Jitsu-Club
in Frankfurt am Main gegründet. 1922 wurde von Alfred Knorr der Erste
Berliner Judoclub (EBJC) gegründet und im Jahre 1929 fand ein erster
internationaler Wettkampf gegen den Budokwai in London statt, der verloren
wurde. Vom 7.-12.8. 1932 fand die erste internationale Judo-Sommerschule
in Frankfurt/M statt, dies war die Geburtsstunde des Judo in Deutschland
mit der Gründung des deutschen Judoringes.
Jigoro Kano besuchte 1933 Berlin und hielt
in der Humboldt-Universität Training ab. Ein Jahr später fanden
in Dresden die ersten Europameisterschaften statt.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde Judo bis 1948
durch die alliierten Besatzungsmächte verboten, ab 1948 wurde in kleinen
Gruppen wieder Aufbauarbeit geleistet. Die Europäische Judo-Union
mit Sitz in der Schweiz wurde im gleichen Jahr gegründet. In der DDR
gab ab 1949 systematische Aufbauarbeit, wodurch schon ein Jahr später
erste Meisterschaften stattfanden. In der Bundesrepublik begann das Judo-Leben
erst mit der Sommerschule 1951. Im selben Jahr wurde das Deutsche Dan Kollegium
(DDK) gegründet. Später rief Heinrich Frantzen den Deutschen
Judobund (DJB) ins Leben.
Die ersten Weltmeisterschaften fanden 1956
in Tokio statt, die seit 1965 alle zwei Jahre stattfinden. 1964 wurde Judo
endlich eine olympische Sportart. Hier wurde zunächst in nur drei
Gewichtsklassen gekämpft. Doch durch den Sieg von Anton Geesink, heute
Träger des zehnten Dan, waren die Japaner bereit in mehreren Gewichtsklassen
zu kämpfen.
1969 wurde in Deutschland die Bundesliga
eingeführt.
Die ersten Weltmeisterschaften für
Frauen fanden 1980 statt, olympisch kämpfen die Frauen seit 1992.
Zur Zeit befindet sich Judo in Deutschland
auf sehr hohen Niveau. Dafür stehen Namen wie Weltmeister Florian
Wanner, Olympiasiegerin Yvonne Bönisch sowie die Olympiadritten Julia
Matjass, Annett Böhm und Michael Jurack. |